Verdampfungstemperaturen für Kräuteraromen

Ein Vaporizer erhitzt getrocknete Kräuter, bis sich ihre Aromastoffe als Dampf lösen – ohne dass das Pflanzenmaterial verbrennt. Welche Temperatur du wählst, entscheidet mit darüber, welche Noten du im Dampf schmeckst. Dieser Ratgeber zeigt, wo die wichtigsten Aromastoffe (Terpene) in unserem Vapo-Finder am deutlichsten hervortreten, und erklärt, wie du diese Werte richtig liest.

Das Wichtigste vorab: Temperatur ist kein Ein-Aus-Schalter

Aromastoffe verdunsten nicht erst genau am Siedepunkt, sondern schon darunter – und ein Siedepunkt gilt immer für einen bestimmten Druck. Dazu kommen Luftstrom, Füllmenge, Heizart und die Dauer der Session. Die Bereiche unten stammen aus dem vereinfachten Aromamodell unseres Vapo-Finders. Sie sind eine Orientierung für den Geschmack, keine Messung deines Materials und keine Dosierempfehlung. Wie das Modell aufgebaut ist, steht unter Quellen & Methodik.

Leichte Kopfnoten: niedriger starten

  • α-Pinen – Kiefer und frische Kräuter. Im Vapo-Finder am deutlichsten zwischen etwa 160 und 170 °C. Zum Porträt
  • β-Myrcen – erdig und moschusartig, kommt auch in Hopfen, Mango und Zitronengras vor. Am stärksten zwischen etwa 165 und 181 °C. Zum Porträt
  • Limonen – frisch und zitrusartig. Am stärksten zwischen etwa 174 und 190 °C. Zum Porträt
  • Eucalyptol (1,8-Cineol) – Eukalyptus und kühle Frische. Am deutlichsten zwischen etwa 174 und 190 °C.
  • Ocimen – süß und krautig. Eine leichte Kopfnote, die bei zu hohem Start schnell untergeht.

Mittlerer Bereich: blumige Noten

  • Terpinolen – blumig und krautig. Am stärksten zwischen etwa 184 und 200 °C. Zum Porträt
  • Linalool – die Lavendelnote. Am deutlichsten zwischen etwa 196 und 212 °C. Zum Porträt

Schwere Noten: für die zweite Hälfte der Session

Sesquiterpene sind schwerer und werden später frei. Im Vapo-Finder nehmen sie zum oberen Ende der Kräuterskala stetig zu:

  • β-Caryophyllen – pfeffrig und würzig, steckt auch in schwarzem Pfeffer. Zum Vergleich: Die RIFM-Veröffentlichung nennt für β-Caryophyllen einen Siedepunkt von 260 °C bei 1013 mbar. Zum Porträt
  • α-Humulen – hopfig und erdig, gibt Hopfen seinen Charakter.
  • Nerolidol – holzig und fruchtig.
  • α-Bisabolol – der milde Klassiker aus der Kamille, eines der schwersten Terpene im Profil.
  • α-Terpineol (Flieder) und Geraniol (rosig-süß) zeigen sich ebenfalls erst am oberen Ende der Skala.

So gehst du in der Praxis vor

  1. Niedrig beginnen: Wer die leichten Kopfnoten schmecken möchte, startet am unteren Ende und erhöht dann schrittweise.
  2. Im Lauf der Session hochdrehen: So kommen nacheinander die blumigen und zum Schluss die würzigen, schweren Noten.
  3. Das passende Gerät wählen: Feine Temperatursteuerung hilft bei den leichten Noten. Geräte mit festen Heizstufen decken nicht jede Gradzahl ab – der Vapo-Finder zeigt, welche Modelle zu deinem Temperaturbereich passen.
  4. Herstellerangaben beachten: Nutze dein Gerät immer nach der Anleitung des Herstellers.
Wichtiger Hinweis zu Pulegon

Pulegon ist der minzige Hauptbestandteil der Polei-Minze. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat Pulegon und das verwandte Menthofuran toxikologisch bewertet, insbesondere wegen möglicher Leberbelastung. Die Nennung im Vapo-Finder ist keine Empfehlung, pulegonreiche Öle zu verdampfen.

Was Temperaturwerte nicht aussagen

Ein Aromaprofil beschreibt Geschmack und Duft, keine Wirkung. Aus einer Temperatureinstellung lässt sich weder eine Dosierung noch eine therapeutische Empfehlung ableiten. Mehr Hintergründe zu den einzelnen Aromastoffen und ihren Originalquellen findest du in unserem Terpenwissen.

Erst testen, dann kaufen

Unsicher, welches Gerät deine Lieblingsnoten am besten trifft? Ausgewählte Vaporizer kannst du bei Rent-a-Vap drei Tage zu Hause ausprobieren. Alle Geräte findest du unter Vaporizer für Kräuter.